Geplante Obsoleszenz – Wird der Lebenszyklus von Produkten bewusst verkürzt?

Geplante Obsoleszenz – Wird der Lebenszyklus von Produkten bewusst verkürzt?

  • Posted by nemetzag
  • On 3. Mai 2021
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Wer kennt es nicht?! Der Akku des im letzten Jahr gekauften Smartphones hält nicht mehr annähernd so lange wie zu Beginn oder es gibt schon wieder ein neues Modell am Markt, das technische Neuerung verspricht. All das lässt sich unter dem Begriff „geplante Obsoleszenz“ zusammenfassen. Ein Phänomen, das es seit den 1930er-Jahren gibt und verschiedene Ausprägungen besitzt.

Der Begriff der „geplanten Obsoleszenz“ trat das erste Mal in den 1930er-Jahren in den USA auf und geht auf den Immobilienmakler Bernard London zurück. Nach der „großen Depression“ wollte er mit seiner Idee den Markt wieder auf Vordermann bringen. Sein Vorschlag: Investitions- und Konsumgüter sollten nur mit einer befristeten Gebrauchserlaubnis verkauft werden und danach zerstört werden. Ging es nach London, sollte es aber zu keiner Modifikation des Produkts selbst kommen.

In den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren trat geplante Obsoleszenz fast ausschließlich in der Automobilindustrie der Vereinigten Staaten auf. Denn nach der Weltwirtschaftskrise hatten die Hersteller begonnen, jedes Jahr neue Modelle auf den Markt zu bringen. Damit sollten die Konsumenten psychisch unter Druck gesetzt werden, ihre noch funktionierenden Fahrzeuge durch neue zu ersetzen. Auch dabei kam es zu keiner Modifikation der Ware zur Minderung der Haltbarkeit. Heutzutage sieht das anders aus. Immer wieder tauchen Vorwürfe gegenüber Unternehmen auf, sie würden Manipulationen an ihren Produkten vornehmen, damit diese eine kürzere Lebensdauer haben. Was allerdings schwer zu beweisen ist. Fest steht, dass Unternehmen geplante Obsoleszenz strategisch einsetzen.

Generell unterscheidet man heute zwischen drei Arten von geplanter Obsoleszenz:

  • Qualitative Obsoleszenz: Unsorgfältig und billig verarbeitete Produkte, die schnell verschleißen und schwer zu warten bzw. zu reparieren sind, werden vermarktet.
  • Psychologische Obsoleszenz: Produkte mit schnell wechselnden Eigenschaften, bei denen jede Neuauflage mit dem Appeal von modischer Aktualität verknüpft ist, werden vermarktet.
  • Funktionelle/technologische Obsoleszenz: Produkte mit schnell wechselnden Eigenschaften, bei denen jede Neuauflage funktionale bzw. technische Verbesserungen verspricht, werden vermarktet.

Harald Wieser arbeitet am Austrian Institute for SME Research und am Sustainable Consumption Institute (SCI) der University of Manchester. 2016 beschreibt er das Phänomen „geplante Obsoleszenz“ in einer Studie für die Arbeiterkammer als ein „Wechselspiel zwischen Industrie und Verbrauchern“. Durch das Misstrauen gegenüber der Lebensdauer der Ware kommt es zu einer geringeren Bereitschaft, mehr Geld in ein qualitativ hochwertigeres Produkt zu investieren. Diese niedrigere Nachfrage nach langlebigen Produkten bestärkt die Hersteller in ihrer Ansicht, Konsumenten seien nur auf das Neueste aus.

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