Fast Fashion – Der Weg aus dem Kleiderschrank in den Container

Fast Fashion – Der Weg aus dem Kleiderschrank in den Container

  • Posted by nemetzag
  • On 6. April 2021
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72 Millionen ungetragene Kleidungsstücke befinden sich laut Greenpeace in den österreichischen Kleiderschränken. Grund dafür ist das Geschäftsmodell „Fast Fashion“, welches sowohl die Umwelt, als auch die menschliche Gesundheit schädigt. Alternativen gibt es einige. Unter anderem Ansätze wie: Upcycling, Kleidertauschparties oder „Weniger ist Mehr“.

Die Bekleidungsproduktion hat sich Greenpeace zufolge vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 verdoppelt. So wurden im Jahr 2014 mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke produziert. Die Nutzungsdauer ist jedoch nur halb so lange wie vor 15 Jahren. Ein wesentlicher Grund für die reduzierte Lebensdauer von Bekleidung ist „Fast Fashion“. Der Begriff „Fast Fashion“ beschreibt ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei welchem die Kollektionen laufend geändert, stark verkürzt und oft zu mangelnder Qualität angeboten und produziert werden. Fast Fashion-Modemarken produzieren dabei in immer geringeren Abständen neue Trends. Kopien von Designer-Mode werden günstig, in Massen gekauft und nach kurzer Zeit wieder entsorgt. Mit dem Modell sind viele Nebenwirkungen und Risiken verbunden.

Infolge der weitreichenden Produktionsauslagerung der Textilindustrie in Niedriglohnländern werden schwierige Arbeitsbedingungen, ein hoher Ressourcenverbrauch sowie eine erhöhte Umweltverschmutzung verursacht. Besonders erschreckend ist, dass jährlich durch die Herstellung, den Warentransport und den Gebrauch  (Waschen, Trocknen sowie Bügeln) mehr als 850 Millionen CO2-Emissionen verursacht werden. Die Nachfrage nach günstiger Bekleidung führt zur Ausbeutung von TextilarbeiterInnen. Einerseits aufgrund der schlechten Bezahlung. Andererseits aufgrund des mangelnden Arbeitsschutzes und der fehlenden Absicherung.

Eine weitere Auswirkung des Modells ist die Gewässerverschmutzung in Ländern wie Pakistan, China und Mexiko. Bis 2020 entgifteten zwar mittlerweile 78 Textil-Unternehmen ihren Chemikalieneinsatz bei der Herstellung. Es besteht jedoch die Gefahr, dass dieser Erfolg, durch die weltweit wachsende Produktion und den steigenden Konsum von Textilien, nur gering ist. Zur Herstellung von einem Kilogramm Kleidung aus Baumwolle sind durchschnittlich 10.000 Liter Wasser erforderlich. 85% werden bei der Herstellung von Baumwolle verbraucht, wobei die Hälfte in die Bewässerung der Felder fließt. Die verbleibenden 15 % sind für alle weiteren Verarbeitungsschritte notwendig. Der Wasserbedarf zur Erzeugung einer Jeans beträgt 8.000 Liter.

Fasern, welche zur Herstellung von Bekleidung verwendet werden, bestehen oftmals aus Rohöl wie u.a. Polyester oder Baumwolle. Beim Anbau kommen viel Wasser sowie Pestizide zur Anwendung. Nicht getragene Kleidung sollte folglich als Umweltsünde betrachtet werden. Zur Senkung der Herstellkosten wird die synthetische Chemiefaser „Polyester“ im Gegensatz zu Naturfasern verwendet. Die Kunstfaser ist einfach zu produzieren, billig und wird aus Erdöl hergestellt. Der wesentliche Nachteil gegenüber der Baumwolle ist, dass durch Polyesterfaser Mikroplastik, welches sich beim Waschen aus der Textilie löst, in häusliche oder industrielle Abwässer und im weiteren Sinne mit den Gewässern in die Meere gelangt. Die Mikrofaser werden von Wasservögeln und Meereslebewesen aufgenommen und reichern sich dadurch in der Nahrungskette an.

72 Millionen ungetragene Kleidungsstücke befinden sich laut Greenpeace in den österreichischen Kleiderschränken. Greenpeace zufolge besitzt jede/r ÖsterreicherIn 85 Kleidungsstücke. In Wien fallen jährlich an die 11.000 Tonnen Altkleidung und Schuhe in Containern an. Sollte ein Kleidungsstück nicht gefallen wird es meist entsorgt. Die Bekleidung wird folglich geschreddert und in der Industrie weiterverarbeitet oder verbrannt. Kleidungsstücke werden kaum genäht, gestopft oder repariert, da die Qualität häufig zu schlecht ist. Für einen Großteil der KonsumentInnen ist der Preis wichtiger als die Qualität. Das zukünftige Kaufverhalten sollte aber nicht zu Lasten der Umwelt gehen.

Bis 2025 sieht eine EU-Richtlinie eine verstärkte Trennung von Textilien vor, um den Anteil an Restmüll zu reduzieren. Im Moment sind aber noch keine Sammelquoten für Textilien vorgesehen. Ab dem Jahr 2025 sieht die europäische Kreislaufwirtschaftsrichtlinie vor, dass alle europäischen Länder die Sammlung von Textilien verstärkt betreiben sollen, um die Deponierung zu verringern.

Das Problem mit der Wiederverwertung

Eine Umwandlung der alten Materialien in brauchbare Stoffe oder Garne für neue Kleidungsstücke findet kaum statt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Ein wesentliches Problem besteht darin die eingesetzten Fasern zu identifizieren, da die Etiketten aus der Kleidung oft herausgeschnitten sind. Doch selbst, wenn die Stoffe erkannt werden, verhindern die Vielzahl an Fasermixe eine wirtschaftlich rentable Trennung. Eine mechanische Trennung von Fasern wäre zwar technisch möglich, würde aber die Qualität beinträchtigen. Das Hindernis sind die hohen Kosten für den Recyclingprozess im Vergleich zur Produktion von neuen Fasern. Das Recycling birgt dementsprechend noch einige Herausforderungen. So wird aufgrund der immer größer werdenden Menge und der schlechten Qualität der Sortiervorgang immer teurer, weshalb unverwertbare Materialien entsorgt werden müssen. Von einem Recycling der Kleidungsstücke kann somit derzeit oft nicht gesprochen werden. Mode sollte deswegen zukünftig nachhaltig produziert und nicht auf „Fast Fashion“ gesetzt werden.

Alternativen

Alternativen bilden Second-Hand-Shops oder nachhaltige Geschäfte wie „Mutter Erde“. Der Tausch im familiären Kreis, unter Freunden oder bei Kleidertauschparties ist ebenfalls eine gute Lösung, um Bekleidung wiederzuverwenden. Internetseiten wie der Kleiderkreisel oder Upcycling sind weitere Alternativen, um Textilien eine zweite Nutzung zu ermöglichen. Erfolgt die Entsorgung von Textilien in die vorgesehenen Kleidercontainer, können diese in Europa und Übersee wiederverwendet werden. Ist die Bekleidung bereits verschlissen, findet unter anderem eine Rückführung als Sekundärrohstoff wie für Dämmmaterialien für die Autoindustrie oder Putzlappen statt.

Der zukünftige Kauf von Bekleidung sollte folglich bewusst gewählt sein, reduziert werden und unter dem Motto „Weniger ist Mehr“ stattfinden.

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