Der größte Müllteppich der Welt

Der größte Müllteppich der Welt

  • Posted by nemetzag
  • On 12. Februar 2021
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Synthetischer Kunststoff, oder auch gängiger genannt „Plastik“, ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Herstellung erfolgt mittels Erdöl, Kohle oder Erdgas und bietet eine Vielzahl von Eigenschaften. 80.000 Tonnen Müll in 1,8 Billionen Einzelteilen gelangten bereits durch unsachgerechte Entsorgung in den Pazifik. Wissenschaftler versichern, dass auch andere Ozeane mit dem Problem zu kämpfen haben. Der Anteil an Kunststoff macht dabei 99,9% aus und hat schadhafte Auswirkungen auf globaler Ebene.

So gelangt Plastik in unsere Ozeane 

Plastik ist billig, leicht und langlebig. Die Nutzungsphase wie z.B. bei Plastikflaschen fällt zumeist sehr kurz aus. Vor allem in Ländern mit fehlender, kontrollierter Abfallsammlung besteht ein großes Problem mit Plastikmüll. Vermehrt wird in diesen Staaten der Müll an einem Ort abgeladen, wo „Platz“ dafür ist. Speziell Länder in Südostasien besitzen keine entsprechende Abfalllogistik, geschweige denn wird auf das Recycling oder die Trennung des Abfalls geachtet, wodurch über Flüsse und ungesicherte Deponien Tonnen an Müll achtlos in die Meere strömen.

Flüsse sind die Hauptquelle für die Plastikverschmutzung der Ozeane. Jährlich gelangen durch diesen Eintragspfad zwischen 4 und 13 Tonnen Verpackungsabfälle aus Plastik in die Meere. Sie sind die Arterien, die Abfälle vom Land zum Ozean transportieren. Ein Forschungsprojekt von „The Ocean Cleanup“ ergab, dass 1000 Flüsse für ungefähr 80% der Verschmutzung verantwortlich sind.

Ob und in welcher Menge der Müll in den Ozeanen landet ist von der Kunststoffsorte abhängig. Typische Verpackungsmaterialien aus Polyethylen oder Polypropylen sorgen für genügend Auftrieb, um mit den Meeresströmungen zu wandern. Fünf verschiedene Müllstrudel lassen riesige Mengen an Müll in unseren Ozeanen zirkulieren. Die größte „Müllhalde“ unseres Planeten befindet sich im nördlichen Pazifik und wird im englischen auch als „Great Pacific Garbage Patch“ bezeichnet. Der große pazifische Müllteppich ist eine Sammlung von Meeresschutt im Nordpazifik und hat gigantische Ausmaße angenommen. Meeresschutt ist Abfall, der im Meer, in den Seen und in anderen großen Gewässern landet. Der Müllteppich erstreckt sich über 1,6 Millionen Quadratkilometer, was der 20-fachen Fläche Österreichs entspricht. Hochrechnungen zufolge schwimmen etwa 80.000 Tonnen Müll in 1,8 Billionen Einzelteilen im Pazifik. 99,9% des Abfalls besteht aus Kunststoff.

Probleme mit Plastik 

Größere Produkte können Jahrzehnte im Wasser treiben. Beispielsweise wurden einhundert Objekte von einem Forscherteam aus dem Ozean gefischt. Das ermittelte Herstelldatum der Proben lag zwischen den 1970er und den 2000er Jahren. Für Hundertausende von Meereslebewesen werden alte Fischernetze, Plastikverpackungen und kleinere Plastikteile zum Verhängnis. Seehunde und Wale verfangen sich in Geisternetzen, Vögel nehmen unverdauliche Plastikstücke mit der Nahrung auf und verhungern. Besonders besorgniserregend ist das aufgrund des Kunststoffzerfalls entstehende Mikroplastik. Gewichtsmäßig schwimmen zwar weniger als 10% an Mikroplastik im Wasser. Im Gegensatz zu größeren Abfällen können Mikroplastikpartikel aus Kosmetika, Reifenabrieb oder Kunststofftextilien jedoch Giftstoffe bilden, welche mit dem Wasser hinweg transportiert werden. Die Schadstoffe reichern sich in der Nahrungskette an und führen zur Aufnahme in den menschlichen Organismus. Derzeit bestehen noch große Wissenslücken über den Transport- und Transformationsprozess von schwimmenden Plastikschutt an der Meeresoberfläche und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Tier-, Pflanzen- sowie Menschenwelt.

Maßnahmen zur Reduzierung von Plastikmüll

Um die globale Plastikverschmutzung zu reduzieren sollte unter anderem eine weltweite, kontrollierte Abfallwirtschaft in Verbindung mit dem Ausbau von Müllverbrennungen etabliert werden. Littering (Das Problem von Wegwerfen und Liegenlassen) gilt es zu vermeiden. Weiters soll die Nutzungsphase von diversen Produkten erhöht und diese wieder in den Wirtschaftskreislauf eingebunden bzw. Recyclingprozesse eingeführt werden. Alternativen für Verpackungsmaterialien, Kosmetikprodukte sowie Kunststofftextilien und den Reifenabrieb ohne den Einsatz von Mikroplastik sind ebenfalls bedeutend. Weiters gilt es das Konsumverhalten sowie Produzentenverantwortung zu ändern und „Clean-ups“ zu initiieren, um das Abfallaufkommen zu verringern.

 

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